Dienstag, 30. Juni 2015

Olympia - Opfer der Gier?!

Hallo liebe Leser,

auch wenn es mit Fundraising nicht direkt etwas zu tun hat, möchte ich das Thema des Tages aus sportpolitischer Sicht nicht ganz unkommentiert lassen. Daher kurz eine Randnotiz zur Vergabe der Rechte zur Olympia-Übertragung.

Olympia läuft ab 2018 aller Voraussicht nach nicht mehr bei ARD und ZDF, sondern bei Discovery Communications bzw. dessen Tochter Eurosport.

Ein mögliches Ziel des IOC: ein eigener olympischer Sender. Soweit könnte ich der Argumentation noch folgen. Doch geht es nicht mit großer Sicherheit eher wieder einmal um die höheren Einnahmen, die das IOC somit erzielt? Wird der olympische Gedanke (man erinnere sich daran, dass es hier einmal um Amateursport ging) in solchen Entscheidungen noch berücksichtigt? 1,3 Milliarden Euro wurden für das Rechtepaket angeblich bezahlt. Fast soviel wie Griechenland benötigt, um all seine Schulden abzubauen (1,6 Milliarden Euro). Dazu gibt es übrigens eine Crowdfunding Kampagne (https://s3.amazonaws.com/igg-errorpage/greece_message.html#/story), aber das nur am Rande.

Eine Vermutung ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender an ihrer Lobbyarbeit gescheitert sind. Große internationale Konzerne wie Discovery Communications sind in diesem Bereich einfach professioneller als die unzähligen kleinen, nationalen öffentlich-rechtlichen Senderanstalten. Ihr Zusammenschluss, die EBU kennt (wenn wir mal ehrlich sind) kaum jemand. Angeblich gescheitert ist das Angebot von ARD und ZDF am Online und Social Media Angebot. Dies würde mich tatsächlich nicht wundern, denn hier besteht sicherlich grundsätzlich in Deutschland und besonders im öffentlich-rechtlichen Bereich noch Nachholbedarf.

Verdächtigt ruhig war es rund um diese Rechte-Ausschreibung, wie auch die Süddeutsche Zeitung feststellte. Normalerweise ist eine Rechtevergabe und die Verhandlungen im Vorfeld von größerem Interesse. Warum dies in diesem Falle von Anfang an nicht so war, wissen wahrscheinlich nur die Verantwortlichen. Auch die zitierten Sätze der Stellungnahme zeigen keine Emotionalität, was man normalerweise erwarten würde. O-Ton ARD/ZDF: "ARD und ZDF nehmen die Entscheidung des IOC (...) zur Kenntnis". Die Frage, die sich dem Beobachter stellt: wollten ARD und ZDF die Übertragungsrechte überhaupt?! Es bleibt für den Sport zu hoffen, dass die Antwort darauf zumindest JA gewesen ist, wenn die Entscheidung des IOC schon ein klares NEIN war.

Eine Hoffnung bleibt: Sublizenzen, die Discovery Communciations an andere TV-Anstalten vergeben kann. Und bei Eurosport ist Olympia ja glücklicherweise wenigstens im Free-TV zu sehen, aber diese Voraussetzung ist ja vertraglich vorgeschrieben.

Letztendlich wird die Sportberichterstattung unter der Entscheidung leiden, vor allem auch was kritische Themen rund um die Olympischen Spiele bzw. in den Zeiträumen dazwischen angeht. Hier ist dann wohl die Crowd gefragt, kritische Fragen zu stellen.Sportberichterstattung basiert nun eben eigentlich auf dem 4-Jahres-Rhythmus der Spiele. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies entwickelt.

Aus meiner Sicht ist dies in jedem Falle eine Entscheidung des Geldes gewesen, und mal wieder keine 100% sportliche Entscheidung.

Was denkt ihr? Ich denke dieses Thema kann man durchaus kontrovers betrachten.


Weitere Artikel im Netz zum Thema:
http://www.sueddeutsche.de/medien/wie-ard-und-zdf-die-olympia-rechte-verloren-ihr-seid-raus-1.2544460
http://www.spiegel.de/sport/sonst/ard-sportkoordinator-axel-balkausky-kritisiert-ioc-entscheidung-a-1041417.html


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