Donnerstag, 21. Mai 2015

DFK2015 Teil II

Hallo,

mittlerweile ist der Deutsche Fundraising-Kongress schon wieder vorbei. Doch ein Bericht zum 2. und 3. Tag von mir steht noch aus. Diese beiden Tage hatten neben zahlreichen Seminaren und Tablesessions auch die Gala-Veranstaltung am Mittwochabend mit der Preisverleihung des Fundraising-Preises zu bieten.

Hervorheben möchte ich vor allem die beiden Keynotes: zum einen den Auftakt durch Prof. Van Bo Le-Mentzel, der dazu aufrief, einmal über den Begriff Erfolg nachzudenken und auf unserem Weg zum Ziel auch immer mal nach links und rechts zu schauen. Er prägte dafür den Begriff Karmaraising. Er stellte außerdem sein "demokratisches Stipendium" sowie sein neues Projekt "Hartz-5" vor, bei dem es darum geht über Crowdfunding den eigenen Lebensunterhalt bzw. den eines besonderen Menschen zu finanzieren, damit so Freiraum für wesentliche Dinge geschafft werden kann. Besonders authentisch fand ich ihn vor allem auch dadurch, dass er selbst mit seinem kleinen Kind auf der Bühne stand und somit zeigte, was für ihn im Leben wirklich wichtig ist. Prof. Margot Kässmann (Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017) sprach über das Geben und Nehmen und betonte, dass man ruhig "Gutmensch" sein dürfe. Geld ist nichts schlechtes, so ihre These, wenn es denn richtig eingesetzt wird, nämlich zum Wohle der Gemeinschaft. Der Stellenwert des Vertrauens als Grundlage für sämtliche Aktivitäten, nicht nur das Fundraising, wurde von ihr ebenso betont. Geiz und Neid wiederum seien schlechte Werte, die vor Gott keinen Bestand haben. Die Ansprache von Frau Prof. Kässmann hat meines Erachtens wirklich zum Nachdenken angeregt und einen guten Abschluss des DFK2015 gebildet.

Außerdem gab es eine Kunstaktion im Rahmen des Fundraising-Kongresses. Der Künstler Ralf Kopp hatte aus tausenden 1-Cent Münzen das Wort "VERANTWORTUNG" vor dem andels Hotel gelegt. Diesen Versuch gab es vorher schon an anderen Orten unter dem Thema "Gier frisst...". Ziel der Aktion war es, zu schauen wie die Bevölkerung auf Geld im öffentlichen Raum reagierte. Die stille Hoffnung war, dass am Ende des Tages vielleicht etwas davon übrig bliebe, um dies zu spenden...am Anfang funktionierte dies kurz, doch dies erfüllte sich leider nicht....Seht selbst selbst:
https://vimeo.com/128428027 und http://www.gierfrisst.de/

Die Gala des Fundraising-Kongresses bot einen festlichen Rahmen für die Preisverleihung des Deutschen Fundraising-Preises. Pfarrer Meurer aus Köln erhielt den Preis für die besondere Fundraising-Persönlichkeit, der in seiner Dankesrede zugleich zeigte, warum er definitiv ein würdiger Preisträger ist. Dr. Martina Klein vom Klinikum Dortmund durfte sich über den Preis für die besondere Fundraising-Kampagne freuen (Anschaffung eines Kinder-MRTs). Doch besonders gefeiert wurden die Preisträger des Sonderpreises. Die Aktion "Rechts gegen Rechts - der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands" aus Wunsiedel konnte durch Mut und Kreativität besonders überzeugen. Diese Aktion wurde sogar als Revolution des Fundraising bezeichnet. Seht am besten selbst, was auch mit einfachen Mitteln bewegt werden kann... was mir am besten an der Aktion gefiel: die Neo-Nazis hatten keine andere Wahl als den "Spendenlauf" durchzuführen, wären sie weggeblieben, wäre ja das Ziel ebenso erreicht worden. Perfekte Inszenierung. Schön, dass die Aktion bereits Zuspruch für weitere Spendenläufe erhalten hat.
http://www.rechts-gegen-rechts.de/

Es durfte auf der Gala außerdem auch getanzt werden und das ließen sich viele nicht zweimal sagen.

Doch was gab es ansonsten noch für Themen und Anregungen. Nachfolgend findet Ihr einige Punkte aus verschiedenen Seminaren. Diese Übersicht erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dies ist schon allein der Tatsache geschuldet, dass ich selbst immer nur ein Seminar besuchen konnte...schade eigentlich, da es wirklich sehr viele interessante Themen gab und ich jedes Mal eine Entscheidung für und somit gegen etwas anderes treffen musste. Ich hoffe sehr auf die Sildes im Nachgang der Veranstaltung:

- Sehr interessant fand ich die Vorstellung von Stefan Pandorf von Particulate (http://particulate.me und ihre Plattform www.socialfunders.org) Er zeigte auf, wie vor allem durch Einbindung und aktives Mitgestalten Kunden das soziale Engagement von Unternehmen stärker wahrnehmen können. Dafür hat sein Unternehmen ein Modell entwickelt, in dem die Kunden eines Unternehmens über Gutschein-Codes entscheiden, für welches Projekt gespendet wird und die Spende selbst tätigen.

- Nicolas Reis von altruja und Nora Jäger von den Seenotrettern (DGzRS) beleuchteten nochmals die Ice-Bucket Challenge mit ihren Erfolgsfaktoren und Problemen und wiesen zugleich darauf hin, dass man solch einen Erfolg nicht planen könne. Dennoch gibt es einige Kriterien, die bei solchen erfolgreichen Online-Kampagnen immer wieder auftreten: kreative Idee, Mut, Emotionales Involvement, Einfachheit und Sharing-Viralität sowie Reichweite auf allen Kanälen.

- Michael Meid zeigte auf, wie viele verschiedene Blogs, Newsletter, Websiten etc. es mittlerweile zum Thema Fundraising im Netz gibt. Sicherlich für jeden etwas Gutes dabei, um sich selbst auf den neuesten Stand zu halten bzw. weiterzubilden. Gerade international muss man für sich die richtige Auswahl treffen, Material gibt es genug.

- Jörg Eisfeld-Reschke und Kai Fischer gingen auf die verschiedenen Studien ein, die es zum Thema Fundraising aktuell gibt. Dabei haben beide auch aufgezeigt, dass es noch zahlreiche Lücken gibt bzw. die Fehlertoleranzen bei vorhandenen Studien z.T. zu groß sind. Interessant dabei war, dass man durch diese Analysen des Forschungstandes eben auch neue strategische Felder entdecken kann, wie zum Beispiel das Großspender-Fundraising, Unternehmenskooperationen oder Online-Fundraising. Etwas genauer wurde auch der Engagementbericht der Bundesregierung beleuchtet, der hervorhob, dass von Unternehmen pro Jahr 8,5 Mrd. Euro Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Diese Zahl bedarf allerdings noch genauerer Erklärung, was darin alles abgebildet ist. Schaut man sich beispielsweise alleine die Sponsoringvolumen des Sports an, kommt tatsächlich die Frage auf, was dabei für den Rest noch übrig bleibt bzw. dann wird diese Zahl doch schnell wieder ein wenig relativiert (zum Vergleich: 1. Bundesliga Sponsoringeinnahmen Trikot+Ausrüster 230 Millionen Euro in 2013 - nur 1. Bundesliga Trikot- und Ausrüstersponsoring ohne alle anderen Fußball-Sponsorings, Formel 1, Wintersport, ...Quelle: http://fussball-geld.de/einnahmen-der-vereine-sponsoren/)

- Richarda Raths ging näher auf die Herausforderungen im Face-to-face Fundraising ein und zeigte auch auf, dass dies nur funktioniert, wenn es wirklich professionell betrieben wird..ansonsten sind die Kosten für eine solche Kampagne nämlich zu hoch.

- Dr. Kreuter, Sascha Schlotzenburg und Lisa Nadig zeigten im Beitrag "Fördergewinnung - zurück zu den klassischen Tugenden" anhand zweier Fallstudien wie Großspender-Fundraising funktionieren kann. Dabei wurde aber vor allem auch gezeigt, dass es auf Langfristigkeit, persönliche Interaktion und einen starken thematischen Fokus ankommt. Einfach nur verschärfter Vertrieb, eine höhere Schlagzahl und ein breiteres Aufstellen reichen nicht, um im stärker werdenden Wettbewerb zu bestehen.

- Ähnliches berichteten auch Dr. Patrick Roy und Thomas Schiffelmann. In ihrem Seminar ging es um zukunftsfähige Unternehmenskooperationen und Cause Related Marketing. Dabei sind ebenfalls einige Aspekte von entscheidender Bedeutung: die inhaltliche Verbindung (Problemlösung ins Zentrum rücken), kreative Methodik gemeinsam entwickeln und eine zeitgemäße Partnerschaft aufbauen. Hier können mit Kreativität und dem entsprechenden Einsatz und Wollen auf beiden Seien erstaunliche Kooperationen entwickelt werden.

In den Gesprächen mit anderen Teilnehmern habe ich herausgehört, dass auch die anderen Seminare spannende Inhalte boten (Telefoneinsatz im Nachlassfundraising, Einbeziehung des Vorstands usw.). Ich denke also, dass sich auf dem DFK2015 für alle etwas finden ließ. Und neben den Seminaren und inhaltlichen Anstößen ging es ja vor allem auch ums Networking. Ich denke diese Gelegenheit haben alle Teilnehmer sehr gut für sich genutzt.

Zum Schluss kann man also nur sagen: danke den Organisatoren für die gelungene Veranstaltung und auf ein Neues in 2016 ;)

Viele Grüße
Maria





Dienstag, 19. Mai 2015

Fazit vom 1. Tag des DFK2015

Hallo,

der 1. Tag beim Deutschen Fundraising-Kongress in Berlin geht zu Ende. Für mich ist es das 1. Mal, dass ich bei diesem Branchentreffen dabei bin. Hier im Blog werde ich deshalb über die einzelnen Tag und die Sessions, die ich besuche, berichten.

Los ging der Tag mit den Workshops. Dabei hatte ich mich für "Retention is something you do, its everything you do" mit Charlie Hulme und Rachel Hunnybun entschieden.
Ohne die anderen Workshops erlebt zu haben, war dies für mich definitiv eine gute Wahl.

Im ersten Teil ging es erst einmal um Ursachenforschung, warum verlieren wir eigentlich Spender und was bedeutet dies für unsere Organisation?
Anhand von zwei einfachen Fragen kann man sich quantitativ daran annähern:

"How many donors did you lose last year?"
"What is your average income per donor?"

Rechnen Sie es einmal für Ihre Organisation aus, sind Sie überrascht von der Zahl? Wir waren es im Workshop definitiv.

Wenn man sich dann mal den Trend bei den meisten Organisationen anschaut, sieht es in etwa so aus:
"Cost of acquisition is going up, retention's going down!" .. Düstere Zeiten. Jedes Unternehmen, dass so viele Kunden verlieren würde, würde nicht lange existieren. So die Vermutung.

Danach haben wir uns intensiver mit der Frage beschäftigt, warum Spender weg gehen und festgestellt, dass fast alle Gründe (bis auf den Tod) lösbar und von der Organisation gesteuert werden können. Gründe sind beispielsweise:
- keine Information, was mit dem Geld passierte (8%)
- keine Erinnerung an die eigenen Spende (9%)
- kein Dankeschön erhalten (13%)
- Tod (16%)
- andere Organisationen verdienen es mehr (36%)
- man kann sich die Unterstützung nicht mehr leisten (54%)

Die meisten dieser Gründe können durch eine verbesserte Kommunikation behoben werden. Insgesamt verliert man knapp die Hälfte der verlorenen Spender aufgrund schlechterer Kommunikation. Das muss nicht sein.

Wir haben uns als Fallbeispiel auch einmal Rachel's Organisation (Practical Action) angeschaut. Bei ihnen erhält der Spender innerhalb eines Jahres 26 Interaktionen (Mailings, Newsletter, Anruf, ... ) und wird förmlich überflutet mit unterschiedlichsten Informationen. Der Spender wird verwirrt. Solche Fehler müssen nicht sein und man sollte sich darüber bewusst werden, welche Abteilungen in welcher Art und Weise mit dem Spender kommunizieren, es ist ja nicht nur die Fundraising Abteilung.  Letztendlich geht es bei der Kommunikation mit dem Spender immer um Relevanz! Nur relevante, wichtige Punkte sollten kommuniziert werden. Weniger ist an dieser Stelle vielleicht mehr. Außerdem haben wir über das Dankeschön für die Spende gesprochen. Hier sollte nicht gleich der nächste Zahlschein beigefügt sein. Das wirkt nicht immer vertrauensbildend. Allerdings ist dies ein Thema für sich.

Abschließend haben wir uns aus der Wirtschaft drei einfache Beispiele für gelungene Kommunikation angeschaut und daraus abgeleitet, dass
- Kommunikation persönlich und individuell sein sollte
- die Sprache angemessen sein muss (gerade bei Kindern)
- man sich für Feedback bedanken sollte, ggf. auch mit einer Belohnung
- man dem Spender aufmerksam zuhören muss
- zügig antworten sollte
- jeder Mitarbeiter der eigenen Organisation zählt und Berührung zu (potentiellen) Spendern hat
- kleine Interaktionen (microinteractions) sehr wirkungsvoll sein können

Letztendlich dreht sich alles um eine gelungene Feedback-Kommunikation.


Anschließend fand die Mitgliederversammlung des Deutschen Fundraising Kongresses statt .... zu der kann ich allerdings als (aktuell noch) Nicht-Mitglied nichts sagen.... ich hoffe, darüber bald in den News des Verbandes zu erfahren.

Den Abschluss des heutigen Tages bildete die offizielle Kongress-Eröffnung und die Podiumsdiskussion zum Thema "Transparenz & Wirkungsmessung". Am Anfang gab es eine relative Einigkeit unter den Podiumsteilnehmern (Gerhard Wallmeyer - Greenpeace, Burkhard Wilke - DZI, Dr. Martin Dodenhoeft - Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Deutscher Fundraising Verband, Nicolaus Stadeler - Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Dr. Andreas Rickert - PHINEO). Dabei ging es um die Feststellung, dass die Komplexität des Themas nicht komplett gemessen werden kann und dass es bei der Wirkungsmessung sowohl die interne als auch die externe Zielgruppe gibt.

Etwas mehr Diskussion auch mit dem Publikum gab es bei der Frage der Betrachtung von Spendensiegel und PHINEO Ranking. Hier wurden diverse pros und cons für eine Standardisierung/Regulierung diskutiert und vor allem das PHINEO Ranking, veröffentlicht bei Spiegel Online, hat einige Kritik abbekommen.

Im Rahmen dieser Diskussion wurde auch mehrmals darauf hingewiesen, den Spender bitte nicht aus den Augen zu lassen - und auch nicht den Nicht-Spender, wenn man an die 60% der Deutschen denkt, die sich nicht engagieren. Gerade dieser sei durch Rankings sehr verwirrt und verunsichert.
Herr Wallmeyer brachte in diesem Zusammenhang auch den Trend der Selbstdarstellung der Spender (Stichwort Spenderbefriedigung) ein und setzte sich kritisch mit der Ice-Bucket Challenge auseinander. Sein Anliegen hierbei war es, die inhaltliche Perspektive und die Information darüber im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung nicht aus den Augen zu verlieren. Dennoch: Spaß beim Spenden muss sein und ich selbst bin Aktionen wie der Ice-Bucket Challenge eher offen eingestellt - natürlich darf die Information und das Spendenanliegen darunter nicht leiden (siehe dazu den Post zur Ice-Bucket Challenge (http://fundraisingimsport.blogspot.de/2014/08/als-ice-bucket-challenge.html)

Das soll es aber als Zusammenfassung des ersten Tages gewesen sein. Ich für meinen Teil werde jetzt den Blick auf das nächtliche Berlin nochmal aus der 14. Etage genießen ;) #skybar

Viele Grüße
Maria









Montag, 18. Mai 2015

Via Crowdfunding nach Berlin

Hallo,

jetzt ist es bald soweit..morgen geht's in Berlin mit dem Deutschen Fundraising Kongress los.

Und ich bin auf dem Weg dorthin. Ich hatte ja schon angekündigt, dass ich von dort berichten werde bzw. einen Erfahrungsbericht am Ende dazu abgebe. Dazu jetzt ein Kommentar zur Anreise.

Nun gut, jetzt denkt ihr wahrscheinlich, dass es nicht so interessant ist, wie ich als Teilnehmer nun zum Kongress komme, aber es geht schon hier mit der Thematik los.

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen entschieden, einmal den Fernbus zu testen.

Gesagt, getan. Online geschaut und festgestellt, dass dies von Eisenach 18 Euro kosten würde (als Vergleich Bahnfahrt ohne BahnCard ca. 65 Euro). Also an sich schon mal super.

Dann fiel mir ein Projekt bei fairplaid ein. Über fairplaid habe ich ja bereits berichtet. (www.fairplaid.org) Dies ist ein Crowdfunding-Portal für Sportprojekte. Alleinstellungsmerkmal bei fairplaid: man erhält als Dankeschön einen Gutschein. Dafür hat man Gutscheine mehrerer Unternehmen zur Auswahl.

Ein Projekt, in dem ein junger Turner versucht seine Kosten für den Internatsaufenthalt via Crowdfunding zu finanzieren, wollte ich eh noch unterstützen, also nutze ich die Gelegenheit und holte mir für meine 10-Euro Beteiligung einen 10-Euro Gutschein des Fernbus-Unternehmens. Keine 10 Minuten später hatte ich per Email meinen Gutschein und konnte diesen direkt bei meiner Buchung für heute nutzen.

Perfekt, so kostet mich die Busfahrt keinen Cent mehr, ich habe etwas Gutes getan und gleichzeitig mich seelisch und moralisch auf den Crowdfunding Kongress eingestellt.

Ich freue mich auf die nächsten drei Tage.

Viele Grüße
Maria

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