Dienstag, 19. Mai 2015

Fazit vom 1. Tag des DFK2015

Hallo,

der 1. Tag beim Deutschen Fundraising-Kongress in Berlin geht zu Ende. Für mich ist es das 1. Mal, dass ich bei diesem Branchentreffen dabei bin. Hier im Blog werde ich deshalb über die einzelnen Tag und die Sessions, die ich besuche, berichten.

Los ging der Tag mit den Workshops. Dabei hatte ich mich für "Retention is something you do, its everything you do" mit Charlie Hulme und Rachel Hunnybun entschieden.
Ohne die anderen Workshops erlebt zu haben, war dies für mich definitiv eine gute Wahl.

Im ersten Teil ging es erst einmal um Ursachenforschung, warum verlieren wir eigentlich Spender und was bedeutet dies für unsere Organisation?
Anhand von zwei einfachen Fragen kann man sich quantitativ daran annähern:

"How many donors did you lose last year?"
"What is your average income per donor?"

Rechnen Sie es einmal für Ihre Organisation aus, sind Sie überrascht von der Zahl? Wir waren es im Workshop definitiv.

Wenn man sich dann mal den Trend bei den meisten Organisationen anschaut, sieht es in etwa so aus:
"Cost of acquisition is going up, retention's going down!" .. Düstere Zeiten. Jedes Unternehmen, dass so viele Kunden verlieren würde, würde nicht lange existieren. So die Vermutung.

Danach haben wir uns intensiver mit der Frage beschäftigt, warum Spender weg gehen und festgestellt, dass fast alle Gründe (bis auf den Tod) lösbar und von der Organisation gesteuert werden können. Gründe sind beispielsweise:
- keine Information, was mit dem Geld passierte (8%)
- keine Erinnerung an die eigenen Spende (9%)
- kein Dankeschön erhalten (13%)
- Tod (16%)
- andere Organisationen verdienen es mehr (36%)
- man kann sich die Unterstützung nicht mehr leisten (54%)

Die meisten dieser Gründe können durch eine verbesserte Kommunikation behoben werden. Insgesamt verliert man knapp die Hälfte der verlorenen Spender aufgrund schlechterer Kommunikation. Das muss nicht sein.

Wir haben uns als Fallbeispiel auch einmal Rachel's Organisation (Practical Action) angeschaut. Bei ihnen erhält der Spender innerhalb eines Jahres 26 Interaktionen (Mailings, Newsletter, Anruf, ... ) und wird förmlich überflutet mit unterschiedlichsten Informationen. Der Spender wird verwirrt. Solche Fehler müssen nicht sein und man sollte sich darüber bewusst werden, welche Abteilungen in welcher Art und Weise mit dem Spender kommunizieren, es ist ja nicht nur die Fundraising Abteilung.  Letztendlich geht es bei der Kommunikation mit dem Spender immer um Relevanz! Nur relevante, wichtige Punkte sollten kommuniziert werden. Weniger ist an dieser Stelle vielleicht mehr. Außerdem haben wir über das Dankeschön für die Spende gesprochen. Hier sollte nicht gleich der nächste Zahlschein beigefügt sein. Das wirkt nicht immer vertrauensbildend. Allerdings ist dies ein Thema für sich.

Abschließend haben wir uns aus der Wirtschaft drei einfache Beispiele für gelungene Kommunikation angeschaut und daraus abgeleitet, dass
- Kommunikation persönlich und individuell sein sollte
- die Sprache angemessen sein muss (gerade bei Kindern)
- man sich für Feedback bedanken sollte, ggf. auch mit einer Belohnung
- man dem Spender aufmerksam zuhören muss
- zügig antworten sollte
- jeder Mitarbeiter der eigenen Organisation zählt und Berührung zu (potentiellen) Spendern hat
- kleine Interaktionen (microinteractions) sehr wirkungsvoll sein können

Letztendlich dreht sich alles um eine gelungene Feedback-Kommunikation.


Anschließend fand die Mitgliederversammlung des Deutschen Fundraising Kongresses statt .... zu der kann ich allerdings als (aktuell noch) Nicht-Mitglied nichts sagen.... ich hoffe, darüber bald in den News des Verbandes zu erfahren.

Den Abschluss des heutigen Tages bildete die offizielle Kongress-Eröffnung und die Podiumsdiskussion zum Thema "Transparenz & Wirkungsmessung". Am Anfang gab es eine relative Einigkeit unter den Podiumsteilnehmern (Gerhard Wallmeyer - Greenpeace, Burkhard Wilke - DZI, Dr. Martin Dodenhoeft - Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Deutscher Fundraising Verband, Nicolaus Stadeler - Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Dr. Andreas Rickert - PHINEO). Dabei ging es um die Feststellung, dass die Komplexität des Themas nicht komplett gemessen werden kann und dass es bei der Wirkungsmessung sowohl die interne als auch die externe Zielgruppe gibt.

Etwas mehr Diskussion auch mit dem Publikum gab es bei der Frage der Betrachtung von Spendensiegel und PHINEO Ranking. Hier wurden diverse pros und cons für eine Standardisierung/Regulierung diskutiert und vor allem das PHINEO Ranking, veröffentlicht bei Spiegel Online, hat einige Kritik abbekommen.

Im Rahmen dieser Diskussion wurde auch mehrmals darauf hingewiesen, den Spender bitte nicht aus den Augen zu lassen - und auch nicht den Nicht-Spender, wenn man an die 60% der Deutschen denkt, die sich nicht engagieren. Gerade dieser sei durch Rankings sehr verwirrt und verunsichert.
Herr Wallmeyer brachte in diesem Zusammenhang auch den Trend der Selbstdarstellung der Spender (Stichwort Spenderbefriedigung) ein und setzte sich kritisch mit der Ice-Bucket Challenge auseinander. Sein Anliegen hierbei war es, die inhaltliche Perspektive und die Information darüber im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung nicht aus den Augen zu verlieren. Dennoch: Spaß beim Spenden muss sein und ich selbst bin Aktionen wie der Ice-Bucket Challenge eher offen eingestellt - natürlich darf die Information und das Spendenanliegen darunter nicht leiden (siehe dazu den Post zur Ice-Bucket Challenge (http://fundraisingimsport.blogspot.de/2014/08/als-ice-bucket-challenge.html)

Das soll es aber als Zusammenfassung des ersten Tages gewesen sein. Ich für meinen Teil werde jetzt den Blick auf das nächtliche Berlin nochmal aus der 14. Etage genießen ;) #skybar

Viele Grüße
Maria









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