Donnerstag, 15. Dezember 2016

Fundraising - sich selbst der Nächste sein?

Liebe Leser,

für den Dezember Post habe ich mir einmal kein klassisches Weihnachts-Thema ausgesucht, schließlich werden wir ja aktuell bombardiert mit Adventskalender in jeglicher Art und Weise, Weihnachtspost mit Spendenaufrufen, Jahresrückblicken und so weiter ... dennoch im weitesten Sinne hat mein heutiger Post dennoch mit der Adventszeit zu tun und er ist auf jeden Fall diskussionswürdig. Ich freue mich also schon jetzt auf die Kommentare.

Traditionell ist der Dezember der wichtigste Monat im Fundraising, denn viele wollen in der Zeit vor Weihnachten auch anderen, denen es nicht so gut geht, etwas Gutes tun. Soweit der emotionale Hintergrund. Außerdem will man vielleicht auch nochmal spenden, um es im nächsten Jahr etwas von der Steuer absetzen zu können. Das wäre die rationale Sichtweise, auch wenn darüber eigentlich kaum jemand spricht. Wie dem auch sei, im Dezember wird also viel gespendet. Fundraiser, Vorstandsmitglieder, sämtliche Ehrenamtliche ziehen los um noch einmal Geld in die Kassen zu spülen. Aber bei wem geht Fundraising eigentlich los? Was ist mit uns selbst? Spenden wir, die die anderen danach fragen eigentlich auch für unsere Organisation?

Bildquelle: http://utilitarismus.info/utilitarismus-egoismus/

Jetzt kann man natürlich sagen: "Also ehrlich, Maria, ich bringe das ganze Jahr meine Zeit ein, um diesen Verein am Leben zu halten und jetzt kommst du an, und sagst, ich soll auch noch was spenden?" Nein, das sage ich nicht. Aber ich sage, man sollte einmal darüber nachdenken und zwar nicht "muss ich eigentlich auch was spenden" - das ist der vollkommen falsche Ansatz, die Frage muss viel eher lauten: "Will ich etwas für meine Organisation spenden?" Bin ich von der Mission, der Arbeit, die gemacht wird (respektive also auch von meiner Arbeit) überzeugt? Leistet diese Arbeit einen Mehrwert?

Für mich selbst ist klar, dass wenn diese Fragen mit "ja" beantwortet werden können, eigentlich nichts dagegen spricht, wenn man auch eine kleine Spende von sich aus an die eigene Organisation leistet. Ich frage mich häufig bei Organisationen mit verschiedenen Gremien wie Beirat, Kuratorium, Vorstand etc. warum so wenig "eigene" Spenden eingehen? Vertrauen die Repräsentanten den eigenen Worten und Taten nicht? In den USA beispielsweise wird Kuratoren zum Teil vorgeschrieben, wie viel Geld sie selbst und ihr Netzwerk in die Organisation einzubringen haben. In Deutschland habe ich teilweise das Gefühl, dass dies ein Tabu-Thema ist, keiner möchte darüber reden. Aber sind wir einmal ehrlich, sind diese 50 Euro wirklich zu viel verlangt? Wenn man selbst die eigenen Kampagnen nicht gut findet, wie sollen andere diese dann wirklich gut finden?

Ich verstehe natürlich auch die Gegenargumente. Zeit und ehrenamtliche Arbeit sind um ein vielfaches höher einzuschätzen als Geld, und natürlich sind Zeitspenden für jeden Verein ein absolutes Geschenk! Das will ich auch gar nicht in Frage stellen. Jeder hat seine eigenen Gründen für die Spendenentscheidung oder dagegen. Ich selbst verfolge allerdings generell den Ansatz: bei sich selbst anfangen - und das gilt zumindest für mich auch für das Fundraising. Man muss ja nicht gleich zum Großspender werden. Natürlich kann es auch mal sein, dass man aus bestimmten Gründen in einem Jahr auch mal an eine andere Organisation spendet (Katastrophenhilfe, Spontanität, persönliche Beziehung,...), aber dennoch kann einem auch der eigene Verein so viel Wert sein, dass man einmal bei sich anfängt.

Was meint ihr? Liege ich vollkommen falsch oder seht ihr es vielleicht ähnlich wie ich? Wie geht man mit dem Thema um? Aktiv im Vorstand ansprechen oder lieber für sich behalten?


Viele Grüße und schon jetzt einmal einen schönen besinnlichen 4. Advent, ein ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Eure Maria



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