Sonntag, 11. Februar 2018

Crowdfunding für den Olympischen Traum?!

Die Olympischen Winterspiele sind eröffnet, das erste Wochenende aus deutscher Sicht sehr erfolgreich. Geschichten rund um Athleten, ihren Weg nach Pyeongchang 2018 werden von den Medien aufgegriffen und verbreitet.

Das Fundraiser-Herz in mir freut sich dabei auch immer mehr über Fundraising und vor allem Crowdfunding zu hören, immer mehr Sportler nutzen diese Möglichkeiten um ihren Sport zu finanzieren.

Stopp, Moment! Freut mich das wirklich? 

Wenn ich ehrlich zu mir bin, verärgert es mich in vielen Fällen eher, dass Sportler/innen Crowdfunding nutzen müssen, um ihren Olympischen Traum zu leben. Nicht in jedem Fall, da nicht jedes Land finanziell in der Lage ist eine komplette Olympia-Mannschaft auszustatten, alle Sportarten gleich zu fördern und es einfach auch Randsportarten in jedem Land gibt. Schade genug. Aber schauen wir mal auf Deutschland. Eigentlich ein reiches Land mit einer langen Sporttradition, vor allem auch im Wintersport. Über die geplante Spitzensportreform versuche ich an dieser Stelle mal nicht zu sehr ins Detail zu gehen, aber ganz lässt sich die Debatte darum nicht vermeiden.

Ein sicher sehr bekanntes Crowdfunding-Beispiel  ist das von Michael Rösch, dem ehemals deutschen Biathleten, der nun für Belgien startet.

Quelle: https://www.eurosport.de/biathlon/pokljuka/2016-2017/michael-rosch-hat-sich-auf-der-pokljuka-in-der-biathlon-weltspitze-zuruckgemeldet_sto5979936/story.shtml

Der trägt die über 300 Spender mit sich nach Pyeongchang - auf seinem Gewehr. Kreative, tolle Kampagne und es freut mich unglaublich für ihn, dass er noch einmal bei Olympischen Spielen starten kann! Er hatte einen harten Weg hinter sich, u.a. auch Verwürfnisse mit dem Deutschen Skiverband (zu dem komme ich später noch), Verletzungen, Niederschläge, Landeswechsel...und gibt sogar wieder Geld zurück, um die Krebsforschung in Deutschland zu unterstützen. Folgendes Video lohnt sich definitiv zu schauen, solltet ihr die Geschichte verpasst haben.

https://olympia.zdf.de/aktuelles/biathlon/michael-roesch-story-104/

Aber es gibt auch noch andere Sportler/innen, die sich ihren Olympischen Traum selbst finanzieren müssen. So zum Beispiel auch die deutschen Buckelpiste-Athletinnen, Katharina Förster und Lea Bouard. Sie mussten eigene Ersparnisse, Eltern und Freunde um Geld bitten, einen Kredit aufnehmen sowie private Sponsoren akquirieren. Auch eine Crowdfunding Kampagne über fairplaid.org wurde gestartet. Den Freestyle-Skifahrerinnen war nach Sotschi die Förderung über den Deutschen Skiverband (da ist er wieder) komplett gestrichen wurden. Wie man eben live in einem Gespräch hören konnte, weil wir in Deutschland in dieser Disziplin zu weit von der Weltspitze entfernt sind und es zu teuer wäre, diese Lücke zu schließen. Da sind wir wieder bei der Leistungssportreform. Ein Bericht dazu war heute auch in der ARD zu sehen.

https://www.eurosport.de/ski-freestyle/pyeongchang/2018/olympia-buckelpiste-bouard-und-forster-zahlen-selbst_sto6546989/story.shtml

Stop! Halt! Geht es im Sport wirklich nur noch um Medaillen? Sind Olympische Spiele nur noch etwas für die Athleten, die Aussicht auf Medaillen haben. Warum dürfen die Medaillen-Hoffnungen 1. Klasse fliegen, während andere den Flug gar nicht bezahlt bekommen, ja noch nicht mal Ausrüstung oder Trainingslager? Wer sind wir (und die Funktionäre), dass wir vergessen haben, wofür Olympia steht? Geht es nicht darum, Kindern zu zeigen, welche Emotionen Sport transportieren kann, die Welt zu verbessern und gemeinsam ein Fest des Friedens zu feiern? Waren das nicht die Werte von Pierre de Coubertin? 

Doch bevor ich in Rage rede, die Verbände für ihren Stolz (im Fall des DSV) und das Sportsystem für falsche Anreize (Leistungssportreform, Medaillenvorgaben) verfluche, bleibt eine Hoffnung: Nämlich die Sportler/innen selbst! Diejenigen, die ihr Schicksal in die Hand nehmen und die ihren Traum leben! Wie Katharina Förster und Lea Bouard! Sie sind die Vorbilder, die Kindern zeigen, was es heißt für den eigene Traum zu kämpfen und das man wie im Falle von Katharina Förster auch dann im Olympischen Finale stehen kann, wenn der Verband einen schon längst aufgegeben hat.

Und damit wird das Ziel von fairplaid.org immer wichtiger und unterstützenswerter: nämlich Crowdfunding als Säule der Sportfinanzierung zu etablieren und damit selbstständig und unabhängig von Sportpolitik den eigenen Traum leben zu können.






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